Westfalenpost, Montag, 14.11.2011
Kirchenkonzert: Klösterliche Atmosphäre
Altenhagen. „Gloria in excelsis Deo“ – Ehre sei
Gott in der Höhe – hieß das Konzert des Mozart-Konzertchors
am Samstag in der restlos gefüllten St. Josefs-Kirche mit einem Streifzug durch
die Kirchenmusikgeschichte vom Mittelalter bis zur Moderne.
Elf Sänger
leisteten beim gregorianischen Gloria Großartiges. Einstimmig im Wechsel von
zwei Chorhälften mit Gesamtgesang, verschmolzen die Stimmen zu homogenem Klang,
nach uralten Melodiemustern ohne Leitton um einen Mittelpunkt schwingend, die
Texte durch behutsame Akzente betonend. Der Nachhall des großen Kirchenschiffes
schuf die entsprechende klösterliche Atmosphäre.
Barocke Echo-Dynamik
Farbenprächtig
gestaltete der Barockmeister Vivaldi sein Gloria. Hier zeigte die
Chorgemeinschaft aus Mozart- und Motettenchor Friesoythe (Leitung: Heinrich
Kleine Siemer), wie immer begleitet vom Staatssinfonieorchester Kaliningrad,
ihre Ausdrucksstärke in typisch barocker Echo-Dynamik, mit schwer lastenden
Akkorden bei „Qui tollis peccata mundi“ und sieghaft strahlenden Passagen mit
polyphonen Strukturen. Sieglinde Grote, Sopran, und Francisca Hahn,
Mezzosopran, lockerten in Arien und Duetten den rauschenden Chor- und
Orchesterklang auf, beide mit kirchenmusikschlankem weichem Timbre die perfekte
Besetzung.
Nach dem
„Laudate Dominum“ von Mozart mit dezenter Streicherbegleitung, in dem die
Sopranpartie nach dem 116. Psalm in das verhaltene „Gloria“ des Chores mündet,
wurden die ersten „Bravo“-Rufe laut: Die überirdische Schönheit der schlichten
Melodik bezauberte das Publikum.
Stehende Ovationen
Beim
„Gloria“ aus Bruckners Messe in f-Moll hatte das durch Blechbläser und
Schlagzeug verstärkte Orchester seinen großen Auftritt. In romantischem
Überschwang der Gefühle kam es zu gewaltigen Ausbrüchen der Freude; für das
„Miserere nobis“ standen verhalten flehende Akkorde im Chor. Ein Duett über
diesen Text wurde von Choreinwürfen in fast geflüstertem Modus beantwortet, bis
nach großartig aufgebautem Crescendo im Fortissimo der Höhepunkt erreicht war.
Auch Poulenc
arbeitete mit großem Orchester. Rascher Wechsel von Piano und Fortissimo –
anstrengend für den Chor, in dieser Lautstärke mitzuhalten - schuf Spannung.
Eigenartige Melodiebildungen wie in der Sopranpartie „Domine Deus“ mit großem Sprung
nach oben bei der letzten Silbe und „schräge“ Orchestereinwürfe betonten die
Musiksprache des 20. Jahrhunderts. Das melismatische „Amen“ des Solosoprans und
die einstimmig verhauchende Antwort des Chores a cappella griffen auf die
gregorianische Praxis zurück. Lautstarker Beifall bei stehenden Ovationen
veranlassten den Dirigenten Albert Boehres zur Wiederholung des „Laudate
Dominum.“
von Renate Schmoll